Pressemeldung des Ortsverbandes Eckernförde zur Kundgebung gegen Rechts in Osterby

Menschen auf einer Demonstration in einer Wohnstraße mit Flaggen, Megafon und Plakat mit der Aufschrift „Stoppt die AfD“. Im Vordergrund steht ein weißer Hund an der Leine.
Gemeinsamer Protest in Osterby: Demonstration gegen rechts.

Der Ortsverband Eckernförde Die Linke nimmt Stellung zur Kundgebung gegen Rechts in Osterby am Samstag, den 18. Juli 2026, sowie zur Berichterstattung der Schleswig-Holsteinischen Zeitung (SHZ) / Eckernförder Zeitung vom Dienstag, 21. Juli 2026 über dieses Ereignis.

Wir als Ortsverband Die Linke Eckernförde erkennen an, dass mit dem SHZ-Artikel versucht wurde, ein objektives Bild der Kundgebung zu zeichnen. Wir begrüßen ausdrücklich, dass Repräsentantin*en gegensätzlicher politischer Lager zu Wort kommen konnten. Diese redaktionelle Ausgewogenheit ist ein wichtiger Beitrag zur demokratischen Meinungsbildung.

Wir bedauern jedoch, dass durch die alleinige Nennung der beiden zitierten Antifa-Parolen ein verzerrter Eindruck von dieser Bewegung entstehen könnte. Die Antifa steht seit vor dem 2. Weltkrieg im Widerstand gegen den Nationalsozialismus – eine differenziertere Einordnung dieser Bewegung historischen Tragweite wäre hier wünschenswert und angemessen gewesen. Wir weisen auf die Gefahr des irreführenden Framings hin, zumal im  Artikel auch auf die Vorbereitung des „gefürchteten Scenarios“ hingewiesen wurde. Das dies keime realistische, zu pauschalisierende Befürchtung ist, hat sich abermals auf dieser friedlichen Kundgebung gezeigt. Wir loben anerkennend, das neutrale, respektvolle Verhalten der Ordnungskräfte hierbei.

Wir als Die Linke sehen uns als politische Repräsentant*in derjenigen, die sich nicht nur in Osterby, sondern darüber hinaus als politisch unterrepräsentiert oder machtlos fühlen – für all jene, die Angst haben und Solidarität suchen. Genau deshalb halten wir diese Pressemeldung für wichtig: um klarzustellen, dass es eine politische Kraft vor Ort gibt, die sachlich Position bezieht und den demokratischen Widerstand gegen Rechtsextremismus sichtbar macht.

Für uns als Die Linke ist es wichtig, klar zu differenzieren: Den Hauskauf von Kevin Dorow und sein Wohnrecht akzeptieren wir als Privatsache. Dies ist nicht Gegenstand unserer Kritik. Wir sind uns der Verantwortung und des geltenden Rechts bewusst.

    Unsere Kritik richtet sich ausschließlich gegen Kevin Dorow als öffentliche Person: gegen seine politische Rolle, seine Äußerungen mit Bezügen zum Nationalsozialismus, seine Funktion in der AfD und der rechtsextremen Jugendorganisation „Generation Deutschland“ sowie gegen die gesellschaftliche Wirkung seiner Präsenz als öffentlicher Akteur in Osterby (Totengilde).

    Kevin Dorow behauptet, eine „unheimliche Sympathiewelle“ im Dorf zu erleben. Dem widersprechen wir auf Basis unserer eigenen Eindrücke und Gespräche vor Ort. Während und nach der Kundgebung am 18. Juli führte unser Ortssprecher mehrere Gespräche mit Osterbyer Bürgerinnen und Bürgern, die neben Dank für unsere Anwesenheit, auch diesen Widerspruch deutlich bemerkten. Auch wird ein weiterer Umgang mit Hr. Doro in der Gemeinde immer noch differenziert diskutiert. Wir begrüßen diesen demokratischen Diskurs.

    Es erscheint uns äußerst widersprüchlich und nicht glaubhaft, dass Herr Dorow einerseits „sich selbst nicht als Faschist sieht“, und auf ein Recht auf Ruhe und Privatleben pocht  – andererseits aber die Verantwortung einer öffentlichen Person zu beugen scheint, deren Äußerungen in den Kontext des Nationalsozialismus gestellt werden mussten, die vom Verfassungsschutz überprüft wurden und der ein innerparteiliches Ausschlussverfahren nur durch den Verzicht auf innerparteiliche Ämter – abwenden konnte. Vollumfängliche Verantwortung für eigene Fehltritte zu übernehmen sieht in Deutschland anders aus.

      Wir fragen uns, ob Amtsdirektor Andreas Betz der potentielle Eindruck eines Schulterschlusses bewusst ist, mit seiner Bemerkung, nur etwa 10 % der Kundgebungsteilnehmer seien Osterbyer gewesen? Ob er damit auch die Legitimität oder das Gewicht der Kundgebung in Frage stellten wollte? Umgerechnet waren also ca. 25 Osterbyer*innen mit uns auf der Straße – bei einer  „von außen“ kritisierten Demonstration. Als Osterbyer*inne öffentlich Stellung zu beziehen, ist ein starkes Bekenntnis für Demokratie und Solidarität von Außen gegen Rechtsextremismus. Wie kann man dies öffentlich abtun und kleinreden? Wir sind froh und dankbar für diesen Zuspruch aus Osterby. Wir deuten auf unsere eigene Erfahrung als Die Linke hin, dass zunehmend Bürger aller Nationalitäten auch hier Angst bekommen, gegen die AfD öffentlich Ihre Meinung zu vertreten.

      Wir als Die Linke sehen im Gegensatz zum Aktionsbündnis Hüttener Berge, keinen Sinn zu direkten Gesprächen mit der AfD oder Kevin Dorow. Wir erkennen seitens der AfD keine Kritikfähigkeit, keine Akzeptanz von Kritik, sondern eher Diffamierung und Herabwürdigung derjenigen, die kritisieren. Auch sehen wir in der Partei nicht den Versuch, sich konsequent von radikaleren Bewegungen zu trennen – stattdessen werden Deals gemacht, wie im Fall von Kevin Dorow, um ein Ausschlussverfahren zu vermeiden.

      Fazit: Die Kundgebung in Osterby war ein Erfolg für die Demokratie. Über 200 Menschen haben ein klares Zeichen gesetzt. Wir werden uns weiterhin entschlossen gegen das Vordringen der AfD in unsere ländlichen Gemeinden zur Wehr setzen, AFD-Helfer und vermeindliches Framing  beim Namen nennen. Wir bedanken uns bei den diensthabenden Einsatzkräften für Ihren vorbildlichen Einsatz!

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