Der Tafelberg

8. August 2013

Im Jahr 1993 eröffnete in Berlin die erste deutsche Tafel. Dort können bedürftige Menschen Lebensmittel erhalten, die zuvor gespendet wurden. Auf solche Zuwendungen sind seit den Agenda-Gesetzen immer mehr Menschen angewiesen. Inzwischen gibt es bundesweit beinahe tausend solcher Tafeln.

Tafeln sind Orte, wo Menschen und Unternehmen überflüssige Lebensmittel abgeben können, damit diese dann dort an bedürftige Menschen verteilt werden. Ursprünglich stammt dieses Konzept aus den USA, einem Land, in dem es keinen funktionierenden Sozialstaat gibt und die Versorgung von Bedürftigen vorwiegend von privaten Hilfsorganisationen (sog. Charity-Organisationen) übernommen wird. Vor gut 20 Jahren eröffnete in Berlin die erste Tafel in Deutschland. Damals wurden vor allem Obdachlose durch die Tafel mit Lebensmitteln versorgt. Doch in den vergangenen Jahren, insbesondere seit der Einführung von Hartz IV, steigt die Zahl der Bedürftigen und die Zahl der Tafeln stark an.
Dort, wo sich der Sozialstaat zurückzieht, wird die Versorgung der Bedürftigen von einer »Wohltätigkeitsindustrie« notdürftig übernommen. Nicht nur Südafrika, sondern auch Deutschland hat so einen »Tafelberg«, jedoch in einem anderen Sinne.

Zuwendungen nur freiwillig

In Deutschland arbeiten ca. 50 000 Menschen ehrenamtlich bei den Tafeln. Im Prinzip ist es eine gute Sache, wenn Menschen sich für andere Menschen einsetzen. Dennoch ist der Trend der wachsenden Zahl von Tafeln besorgniserregend, da er ein Symptom des zunehmenden Rückzugs des Sozialstaats ist. Immer mehr Menschen fallen durch das immer löchrigere soziale Netz und sind auf die freiwillige Hilfe von Wohltätigkeitsorganisationen angewiesen. Dabei ist anzumerken, dass diese Hilfe freiwillig ist und die bedürftigen Menschen hierauf keinen Rechtsanspruch haben. Deutschland wandelt sich so zunehmend vom Sozialstaat zum Charity-Staat. Aus Sicht der LINKEN ist es eine Schande, wenn in einem reichen Land wie Deutschland immer mehr Menschen auf gespendete Lebensmittel angewiesen sind.

Rückkehr zum Sozialstaat notwendig

DIE LINKE ist der Auff assung, dass alle Menschen ein ausreichendes Einkommen erhalten müssen, um sich davon ernähren zu können. Es ist mit der Würde des Menschen nicht vereinbar, wenn Menschen darauf angewiesen sind, um Lebensmittel zu betteln, die andere zuvor weggeworfen haben. Artikel 1 des Grundgesetzes verpflichtet den Gesetzgeber, die Würde jedes Menschen zu schützen. Dieser Anspruch muss daher im Gesetz verankert und gerichtlich einklagbar sein, anstatt dass Menschen auf freiwillige Mildtätigkeit angewiesen sind. Hierfür bedarf es eines funktionierenden Sozialstaates. Wichtige Sofortmaßnahmen wären hier zum Beispiel die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns von 10 Euro und die Erhöhung der ALG-II-Regelsatzes auf mindestens 500 Euro.

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