Gymnasium: die Sonderschule für Kinder aus privilegierten Schichten gehört abgeschafft!

16. Dezember 2011
Eine soeben veröffentlichte Studie dreier Bildungsforscher belegt, was wir eigentlich aus Erfahrung sowieso schon wissen: das Gymnasium ist eine Sonderschule für die Kinder aus der Oberschicht und den privilegierten Mittelschichten. „Kai Maaz, Ulrich Trautwein und Franz Baeriswyl werteten deutsche und schweizerische Ergebnisse mehrerer jüngster Schulleistungsuntersuchungen aus. Dabei verglichen sie unter anderem die Schulnoten mit den […]

Eine soeben veröffentlichte Studie dreier Bildungsforscher belegt, was wir eigentlich aus Erfahrung sowieso schon wissen: das Gymnasium ist eine Sonderschule für die Kinder aus der Oberschicht und den privilegierten Mittelschichten.

„Kai Maaz, Ulrich Trautwein und Franz Baeriswyl werteten deutsche und schweizerische Ergebnisse mehrerer jüngster Schulleistungsuntersuchungen aus. Dabei verglichen sie unter anderem die Schulnoten mit den Ergebnissen eines standardisierten schriftlichen Leistungstests mit mathematisch-naturwissenschaftlichen und sprachlichen Aufgaben.

Etwa nur zur Hälfte lasse sich die konkrete Empfehlung des Grundschullehrers zum Besuch eines Gymnasiums mit der tatsächlichen Schülerleistung erklären, stellten die Forscher fest. Ein Viertel der Empfehlung werde dagegen durch die Schichtzugehörigkeit beeinflusst, weil Lehrer bei gleicher Leistung Kindern aus Akademiker-Elternhäusern eher eine Gymnasiallaufbahn zutrauen als Arbeiter- und Migrantenkindern. Ein weiteres Viertel dieser sozialen Verzerrung entstehe bei der Empfehlung durch ungleiche Notenvergabe bei gleicher Leistung schon während der Grundschulzeit.“ (DPA-Meldung)

Die Wissenschaftler kommen zu dem Fazit: soziale Herkunft „wird mit zensiert“. Wenn Arbeiterkinder „bei gleicher Leistung nicht mehr ungleich benotet würden“, ließe sich ihr Anteil am Gymnasium deutlich steigern. Und die Vize-Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Marianne Demmer stellt dazu fest: „Bei Kindern aus begüterten Familien würden die Lehrer trotz Zweifel eher zur Gymnasialempfehlung neigen – in der Gewissheit, dass die Eltern notfalls mit Nachhilfe ihr Kind schon zum Abitur bringen werden.“

Für diese skandalösen Mißstände gibt es nur eine wirklich nachhaltige Lösung: wir brauchen eine gemeinsame weiterführende Schule für alle; das Gymnasium gehört abgeschafft!

Rainer Beuthel

Ratsfraktion DIE LINKE Eckernförde