4,29 Millionen Arbeitslose – Zeit zu handeln statt zu tricksen

4. September 2010
Schlechte Meldungen kann die Bundesregierung nicht gebrauchen. Deshalb bleibt sie wie die vorherige dabei, die Arbeitslosenzahlen schön zu rechnen. Arbeitslose, die krank sind, einen Ein-Euro-Job haben oder an Weiterbildungen teilnehmen, werden bereits seit längerem nicht als arbeitslos gezählt. Fast alle Arbeitslosen, die älter als 58 sind, erscheinen nicht in der offiziellen Statistik. Im Mai 2009 […]

Schlechte Meldungen kann die Bundesregierung nicht gebrauchen. Deshalb bleibt sie wie die vorherige dabei, die Arbeitslosenzahlen schön zu rechnen. Arbeitslose, die krank sind, einen Ein-Euro-Job haben oder an Weiterbildungen teilnehmen, werden bereits seit längerem nicht als arbeitslos gezählt. Fast alle Arbeitslosen, die älter als 58 sind, erscheinen nicht in der offiziellen Statistik. Im Mai 2009 kam eine weitere Ausnahme hinzu: Wenn private Arbeitsvermittler tätig werden, zählt der von ihnen betreute Arbeitslose nicht mehr als arbeitslos, obwohl er keine Arbeit hat.

Wer die tatsächliche Arbeitslosigkeit erfassen will, muss ehrlich rechnen. Dazu sagte der damalige Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) am 4. Juni 2009 in der Fernsehsendung Panorama: „Alles, was an Effekten durch arbeitsmarktpolitische Maßnahmen entsteht, wird jedes Mal zusammen mit der Arbeitsmarktstatistik veröffentlicht. … Ich glaube, dass man sich auf die Seriosität dieses Prozesses verlassen kann.“ Wer anders rechnen wolle, könne ja „seine Zahl veröffentlichen – und dazu ein Flugblatt drucken.“ Das tun wir gern. Hier sind die tatsächlichen Zahlen, die allein auf amtlichen Daten der Statistik der Bundesagentur für Arbeit beruhen!

Das Stichwort heißt „Unterbeschäftigt“

„Unterbeschäftigt“ sind im Sprachgebrauch der Arbeitsagentur alle die Arbeitslosen, die kurzerhand aus der offiziellen Statistik verbannt werden.

Der Arbeitsmarktreport für den Kreis Rendsburg-Eckernförde weist für August zwar eine leicht rückläufige Arbeitslosenquote von 7,6% auf 7,2% (-0,4%) aus, erfasst aber nur Arbeitslose mit Leistungsanspruch für Arbeitslosengeld I oder II, während die Zahl aller gemeldeten Arbeitssuchenden fast doppelt so hoch ist. Von den Mangels Anspruch nicht gemeldeten Arbeitslosen ganz zu schweigen.

Weicht man von der „bereinigten“ Arbeitslosenstatistik ab und rechnet die Zahl derer, die unter die sog. Unterbeschäftigung fallen hinzu, kommt man leider zu ganz anderen Ergebnissen:

296 Arbeitssuchende, die einen Vermittlungsgutschein erhalten haben, sind in der Arbeitsmartstatistik NICHT aufgeführt. Weitere 1.389 Arbeitslose werden trotz Leistungsbezug außerdem nicht mitgezählt: u.a. Ein € Jobber, Maßnahmenteilnehmer, Ältere ab 58, usw.

Jeder fünfte Arbeitslose in unserem Kreis ist also nicht in der Arbeitslosenstatistik erfasst!

Das bedeutet, dass de facto die Zahl Arbeitslosen im Kreis Rendsburg-Eckernförde bei 8,7% liegt!!!!

Die Bundesarbeitsministerin sollte nicht die Bundesagentur dafür missbrauchen, eine gigantische Zählmaschinerie zum Schönen der Zahlen einzusetzen. Besser wäre die Lieferung belastbarer Planungsdaten für Wirtschaft und Politik.

Zeit zu handeln statt zu tricksen !!!

Kreis Rendsburg-Eckernförde

In Rendsburg-Eckernförde liegt die tatsächliche Arbeitslosigkeit um ca. 1,5% höher als offiziell angegeben.

Offizielle Arbeitslosigkeit: 8.167

Nicht gezählte Arbeitslose: 1.685

Tatsächliche Arbeitslosigkeit im August 2010: 9.852

Tatsächliche Arbeitslosigkeit im Juli 2010: 9.793

Älter als 58, beziehen Arbeitslosengeld II (§ 53a SGB II): 96

Älter als 58, beziehen Arbeitslosengeld I (§ 428 SGB III): 4

Ein-Euro-Jobs (Arbeitsgelegenheiten): 807

Berufliche Weiterbildung: 340

Eignungsfeststellungs- u. Trainingsmaßnahmen (z.B. Bewerbungstraining) – Aktivierung und berufliche Eingliederung (z. B. Vermittlung durch Dritte): 296

Beschäftigungszuschuss (für schwer vermittelbare Arbeitslose): 55

Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen: 2

Kranke Arbeitslose (§126 SGB III): 85

Nicht gezählte Arbeitslose: 1.685

Quelle: he_kr_01058, Tabelle UB insges