Solidarität mit den Kolleginnen und Kollegen bei Sauer & Sohn!

2. März 2009
„Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“ Von dieser Regel des Artikel 14 unseres Grundgesetzes haben die Eigentümer der Lüke-Ortmeier-Firmengruppe anscheinend noch nichts gehört. Obwohl der Betrieb an seinem Standort J.P. Sauer & Sohn in Eckernförde über Jahre gute Gewinne erwirtschaftet hatte, sollen die Bilanzverluste des Jahres 2008 und zu erwartende […]

„Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“

Von dieser Regel des Artikel 14 unseres Grundgesetzes haben die Eigentümer der Lüke-Ortmeier-Firmengruppe anscheinend noch nichts gehört.

Obwohl der Betrieb an seinem Standort J.P. Sauer & Sohn in Eckernförde über Jahre gute Gewinne erwirtschaftet hatte, sollen die Bilanzverluste des Jahres 2008 und zu erwartende Verluste im Jahr 2009 offenbar allein von der hiesigen Belegschaft getragen werden: geplant ist der Abbau von ca. 150 Arbeitsplätzen (50 Leiharbeiter und ca. 100 Stamm-MitarbeiterInnen). Zur Finanzierung des Personalabbaus (Transfergesellschaft und Sozialplan) und für einen wirtschaftlichen „Puffer“ verlangt die Geschäftsleitung erhebliche Einkommenskürzungen von der Belegschaft in Höhe von 20% für drei Jahre (6 Millionen Euro). Eine Unverschämtheit!

Ohne den ernsthaften Dialog mit Belegschaft, Betriebsrat und IG Metall zu suchen, wurde bereits die Produktion von Holzschäften nach Bulgarien verlagert; die Jagdwaffenfertigung soll an den Standort Blaser in Isny im Allgäu gehen. Zudem wurden betriebsinterne Verrechnungspreise realisiert, die den Standort Eckernförde benachteiligen, der Name der traditionsreichen Jagdwaffenmarke „Sauer“ wurde verkauft. Nach Einschätzung von Gewerkschaft und Betriebsrat lässt sich aus dem Verhalten der Eigentümer schließen, dass der hiesige Standort möglicherweise entkernt und dann geschlossen werden soll. Einer kürzlich einberufenen Betriebsversammlung verweigerte die Betriebsleitung ihre Teilnahme, stattdessen lud sie nach Gutsherrenart zu einer „Mitarbeiterversammlung“.

Die IG Metall – Mitgliederversammlung bei Sauer hat am 24.02.09 beschlossen, unter folgenden Voraussetzungen im Jahr 2009 auf die Zahlung des zusätzlichen Urlaubsgeldes sowie die tarifvertragliche Sonderzahlung zu verzichten (was einer Kürzung von ca. 10 % entspräche):

  • Verlässlicher und realistischer Zeitplan zur Umsetzung des Produktionsbeginns neuer Produkte
  • Anerkennungstarifvertrag einschließlich eines Ausschlusses betriebsbedingter Kündigungen bis zum 31.12.2010
  • Einkommensverzicht nur für fortbestehende Arbeitsverhältnisse, zweckgebunden für Transfergesellschaft und Sozialplan; entsprechender Gehaltsverzicht auch für Führungskräfte
  • Keine weiteren Verkäufe von Produkten unter Herstellungskosten innerhalb der L&O – Gruppe sondern zu marktüblichen Preisen
  • Keine weiteren Ausgliederungen vom Standort Eckernförde in den nächsten drei Jahren

(sinngemäß formuliert nach der ausführlichen Beschlussvorlage)

Ob die Kapitalseite auf dieses Entgegenkommen der Belegschaft eingehen wird, ist offen. Wir hoffen mit unseren Kolleginnen und Kollegen, dass sich die schlimmsten Härten vermeiden lassen und stehen an ihrer Seite. Wer jahrzehntelang gearbeitet hat, verdient es nicht, wie ein unmündiger Sklave behandelt zu werden!

Ortsvorstand Eckernförde

Kreisvorstand Rendsburg-Eckernförde