Arbeit für alle bei fairem Lohn? Eine kurze Nachlese zum 1. Mai…

2. Mai 2009
Dass in diesem Jahr mehr Menschen an den DGB-Maikundgebungen teilgenommen haben, ist gewiss zu begrüßen. An der verschwiemelten Mai-Losung kann es allerdings kaum gelegen haben. Ein Kollege, immerhin Mitglied der SPD, sagte mir während der Kundgebung: "Ist mir sowieso egal, was die da fordern. Ich gehe trotzdem hin." Was bitteschön ist ein "fairer Lohn"? Gibt […]

Dass in diesem Jahr mehr Menschen an den DGB-Maikundgebungen teilgenommen haben, ist gewiss zu begrüßen. An der verschwiemelten Mai-Losung kann es allerdings kaum gelegen haben. Ein Kollege, immerhin Mitglied der SPD, sagte mir während der Kundgebung: "Ist mir sowieso egal, was die da fordern. Ich gehe trotzdem hin."

Was bitteschön ist ein "fairer Lohn"? Gibt es eine gesellschaftliche Instanz, eine Art Schiedsrichter, der nach Regeln sportlicher "Fairness" die Höhe von Löhnen und Gehältern bestimmt? Oder müsste nicht besser von der teilweise hausgemachten Schwäche der Gewerkschaften gesprochen werden, die es in den vergangenen Jahren nicht vermochten, der Umverteilungspolitik von Kapital und Staat wirksam entgegenzutreten?

Und wer glaubt denn ernsthaft an das Ziel "Arbeit für alle"? Voraussetzung dafür wäre eine rigorose Arbeitszeitverkürzung und ein neues, gebrauchswertorientiertes Modell von Produktion und Konsumtion, das uns endlich aus dem Hamsterrad von "Wachstum" und abstrakter Kapitalakkumulation befreit, aus der "Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen" – egal was an diesen Plätzen gearbeitet wird, Hauptsache: "die Wirtschaft prosperiert".

Es geht nicht mehr um Auswüchse des "gegenwärtigen Kapitalismus" (Entwurf des Bundestagswahlprogramms der LINKEN), es muss um eine Gesellschaft jenseits des Kapitalismus gehen.

Aber davon reden die Damen und Herren Mairedner fast nie.

Immerhin: Wir Eckernförder LINKEN durften während der Kundgebung einen Infostand aufbauen. Das ist neu. Im Gegenzug mussten sich erstmals alle ein "Grußwort" des SPD-Kreisvorstands anhören.

Mal sehen, was im nächsten Jahr so alles (nicht) erlaubt ist.