Der erste Bürgerentscheid der Stadtgeschichte – Nortorf entscheidet sich für das Kesselhaus

17. Mai 2020
Kesselhaus Nortorf
Im Nortorfer Kesselhaus lassen sich bald Venylschätze bewundern

Ab 1948 wurden in der alten Lederfabrik in Nortorf Schallplatten hergestellt. Die Firma Teldec wurde den 1960er Jahren für ihr Vinyl bekannt und beschäftigte 1000 Mitarbeiter. Teldec und die Stadt im Mittelpunkt von Schleswig-Holstein waren lange auch international bekannt für die Schallplattenproduktion. Doch dann kam die CD und die Teldec konnte sich nicht mehr halten. In den 1990ern war das Ende gekommen. Zwar produzierte das neue Label OK Media noch bis 2009 Datenträger jeder Art, aber dann war endgültig Schluss. Aus dem Heimatmuseum wurde ein Schallplattenmuseum und man konnte viele Teile des Inventars retten, als 2013 der Abriss der Gebäude auf dem ehemaligen Teldec-Gelände begann. Dort entstand ein kleines Einkaufszentrum und nur das alte Kesselhaus blieb bestehen.

Das Schallplattenmuseum hat seit 2002 seinen Sitz im Jungfernstieg, doch das alte Haus wird zu klein und man liebäugelte schon recht früh mit dem alten Kesselhaus. Für die Stadt war jedoch der Umbau des Gebäudes zum Schallplattenmuseum lange Zeit zu teuer. Doch dann gab es 2018 eine Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung für den Umbau des Kesselhauses. Es wurde eine Million Euro in den Haushalt dafür eingestellt. Zuviel für SPD und Grüne, die einen Bürgerentscheid forderten und auch bekamen. Stichtag war der 6. Oktober 2019.

Befürworter und Gegner versuchten vorher über Wochen die Meinung der Nortorfer zu beeinflussen. Das Museum dekorierte die vielen leeren Schaufenster der Stadt mit Exponaten. Es wurden Veranstaltungen gemacht und Experten interviewt. Die Gegner blieben dabei recht unsichtbar, obwohl es durchaus Kritiker gab, die darauf hinwiesen, dass die Zahlen für die jährlichen Unterhaltskosten des Museums nicht stimmen konnten. Der Verein hatte 25.000 Euro veranschlagt. Das Museum soll 7 Tage die Woche geöffnet sein und ein kleines Café bekommen, jedoch ist nur eine sozialversicherungspflichtige Stelle dafür vorgesehen. Den Rest sollen Ehrenämtler übernehmen. Schließlich schlug die SPD einen Neubau am alten Standort als Alternative für den Umbau vor. Der Bürgermeister Torben Ackermann wies dies jedoch als nicht machbar zurück, da der Neubau mit geplanten 2000 Quadratmetern zu klein sei. Woher die 3000 Besucher im Jahr kommen sollen, ist weiterhin unklar.
Der Bürgerentscheid kam und die Nortorfer sollten sich für einen Planungsstopp oder dagegen entscheiden. Das heißt, wer gegen den Umbau war, musste mit Ja stimmen und wer dafür war mit Nein. Sicherlich verwirrte das zusätzlich, aber dennoch entschieden sich die Bürgerinnen und Bürger von Nortorf mit einer Mehrheit und bei einer Wahlbeteiligung von 33,3 Prozent für den Umbau des Kesselhauses zu einem Schallplattenmuseum. Dies war ein klares Zeichen der direkten Demokratie und das ist auf jeden Fall zu befürworten. Kritisieren kann man dabei jedoch, dass nicht gut über die tatsächlichen Kosten informiert wurde, dass den Befürwortern mehr Raum geboten wurde, ihre auf Emotionen angelegte Kampagne durchzuführen. Wahrscheinlich war es deswegen auch eher eine emotionale als eine rationale Entscheidung, denn alle alten Nortorfer kennen die Teldec oder waren sogar selbst dort beschäftigt. Sie verbinden viel mit dem Museum und dem Kesselhaus als letztes Überbleibsel. Daher hatten die Gegner es auch sehr schwer.

Die Stadt muss nun 1 Million für den Umbau bereitstellen, und ob es Förderungen gibt, ist immer noch unklar. Der Förderverein, der das Ganze in Zukunft betreibt, ,wird den Innenausbau selbstfinanzieren müssen. Man darf also weiter gespannt sein, ob die selbst gesteckten Ziele einzuhalten sind. Für den nächsten Entscheid wünschen wir uns mehr Offenheit und mehr Sachlichkeit.

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