Pflegekammer? Unwirksam bei Pflegenotstand und schädlich für den Widerstand!

23. Januar 2015
Der Pflegenotstand ist gewissermaßen ein Syndrom mit Symptomen, von denen die Einführung einer Pflegekamer vielleicht ein einziges kurieren würde; Man wüsste, wie viele Pflegekräfte im Land tatsächlich tätig sind und bräuchte in den Diskussionen nicht mehr mit rein spekulativen Zahlen arbeiten. Viel mehr „Pro“ ist nicht erkennbar, aber dagegen spricht vieles: –  Alle Pflegefachkräfte müssten […]

Der Pflegenotstand ist gewissermaßen ein Syndrom mit Symptomen, von denen die Einführung einer Pflegekamer vielleicht ein einziges kurieren würde; Man wüsste, wie viele Pflegekräfte im Land tatsächlich tätig sind und bräuchte in den Diskussionen nicht mehr mit rein spekulativen Zahlen arbeiten.

Viel mehr „Pro“ ist nicht erkennbar, aber dagegen spricht vieles:

  Alle Pflegefachkräfte müssten Mitglied werden, ob die Kammer ihre persönlichen berufspolitischen Vorstellungen verträte oder nicht.

  Die Mitgliedschaft kostet Geld, doch was bekämen die Mitglieder dafür geboten und was davon würde ihren Berufsalltag entlasten? Wie sollte eine Pflegekammer, die beispielsweise keine einzige Möglichkeit des Boykotts hat gegenüber irgendwem hätte, massiv die Interessen der in ihr Organisierten vertreten können? Was hätte sie maximal mehr in der Hand als die „scharfe“ Waffe einer öffentlichen Erklärung zu bestimmten missliebigen Umständen? So etwas wird nicht gebraucht. Was gebraucht wird sind starke Gewerkschaften!

– Pflegekammern agieren nicht solidarisch. Als berufsständische Einrichtungen  blicken sie in aller Regel nicht über den eigenen Tellerrand hinaus. Andere Interessen, hier vor allem die Interessen der zu Pflegenden, würden sie ausblenden müssen.

-Eine Pflegekammer gefährdet den gewerkschaftlichen Organisationsgrad allein schon durch doppelt zu zahlende Beiträge.

– Pflegekammern führe uneingeschränkt die „Berufsaufsicht“. Was würde das für die Meinungsfreiheit ihrer Mitglieder bedeuten? Wer traute sich dann noch auch einmal laut und vernehmlich gegen Standpunkte einer Institution anzugehen, die über berufliche Zulassung allein entscheidet.

Die Probleme der Pflege haben politische Hintergründe, die in allererster Linie mit den Mehrheiten im Bundestag zu tun haben – und nicht mit dem Fehlen einer Pflegekammer vor Ort!

In einem sich privatisierenden Pflegemarkt geht es schon lange nicht mehr um die besseren Argumente, sondern ganz handfest allein um Geld. Es toben Verteilungskämpfe, und alle in der Pflege Beschäftigten brauchen dabei kämpferische Interessenvertretungen, keine Pflegekammer!

Die Kreisverbände Plön und Rendsburg-Eckernförde der Partei DIE LINKE erklären sich solidarisch mit den Pflegekräften und Gewerkschaften im Land und unterstützen ihre Forderungen nach einer Ablehnung der Pflegekammer.

Anissa Heinrichs, Sprecherin Kreisverband Rendsburg-Eckernförde

Gabi Geschwind-Wiese, Sprecherin Kreisverband Plön