100 Jahre Erster Weltkrieg – Wie Krieg wieder gesellschaftsfähig wird

28. September 2014
Quelle: Bundesbildarchiv
Rosa Luxemburg war 1914 eine der wenigen KriegsgegnerInnen

Der Sommer im Jahr 1914 ist herrlich warm und voller Leichtigkeit. Doch dann werden der österreichische Thronfolger und seine Frau am 28. Juni 1914 in Sarajewo von einem serbischen Separatisten erschossen. Während viele Menschen ihren
Urlaub genießen, spitzt sich die politische Lage immer weiter zu. Es gibt zwar
Mahner wie Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg, die finden jedoch kein Gehör
sondern werden bekämpft. Am 1. August 1914 erklärt Deutschland Russland schließlich den Krieg. Die große Katastrophe nimmt ihren Lauf.

Dieser Erste Weltkrieg kostete insgesamt fast 10 Millionen Soldaten das Leben und die Anzahl der zivilen Opfer wird auf 7 Millionen geschätzt. In Deutschland verhungerten 700 000 Menschen. Das war für die damalige Zeit ein enormer Verlust. Zurück blieben auch 20 Millionen Verwundete, die nach ihrer Rückkehr oft in erbärmlichen Verhältnissen lebten.
Der Weltenbrand hinterließ überall in Europa und weit darüber hinaus verbrannte Erde.
Die Stadt Verdun im Nordosten Frankreichs und ihr Schlachtfeld wurden zum Sinnbild für den Schrecken dieses ersten modernen Krieges, in dem Soldaten als Kanonenfutter dienten. Doch nur einundzwanzig Jahre später sollte die Welt erneut in Flammen aufgehen, als der Zweite Weltkrieg begann.
Bereits nach dem Ende des Ersten Weltkriegs 1918 forderten Menschen – nie wieder Krieg!

Gegen das Vergessen

Aber Menschen scheinen diese Schrecken auch schnell wieder zu vergessen.
Mittlerweile haben wir fast 70 Jahre Frieden in Europa und können stolz darauf sein. Aber Kriege werden weiterhin geführt – auch von europäischen Soldaten.
Zurzeit befinden sich 4 600 deutsche Soldatinnen und Soldaten in Auslandeinsätzen, in 13 Ländern weltweit. Bald sollen es 10 000 sein. Die Große Koalition genehmigt einen Auslandseinsatz nach dem anderen und verstrickt sich immer weiter ins Kriegshandwerk.
Die Bundesrepublik ist drittgrößter Rüstungsexporteur nach den USA und Russland.
Immer mehr Menschen können sich wieder Krieg vorstellen und befürworten auch Einsätze, die keinen humanitären Charakter haben. Es scheint fast so, als würde der Krieg wieder gesellschaftsfähig werden. Die Bundeswehr wirbt aktiv für die nächste Soldatengeneration in Schulen und Jugendeinrichtungen. Die Kriege überall auf der Welt brauchen neues Kanonenfutter.

Im Sommer 1914 glaubte man, dass der Krieg schnell gehen würde, weil man gut vorbereitet war und über modernste Waffen verfügte. Viele Familien dachten, dass ihre Söhne und Väter zu Weihnachten wieder zu Hause seien. Sie irrten sich.
Auch beim Ausbruch des Zweiten Weltkriegs gingen viele davon aus, dass es schnell gehen würde. Sie irrten sich.

Heute verfügt die Bundesrepublik über modernste Waffentechnik, die sogar bis in alle Ecken der Welt exportiert wird. Auch heute denken viele Menschen, dass Auslandeinsätze kurz sind und es kaum Opfer in diesem Hightech-Krieg gibt. Aber Einsätze wie in Afghanistan haben bereits gezeigt, dass es ein Irrtum ist. Der Krieg hat seine eigenen Gesetze und er ist unberechenbar. Wir haben uns in der Geschichte zu oft geirrt, wir sollten nicht die immer gleichen Fehler ein weiteres Mal begehen.
Wahrscheinlich wird es der Menschheit so schnell nicht gelingen, eine vollkommen friedliche Welt herzustellen. Aber anstatt Weltkriege zu führen, sollten wir es mal mit den Ausbruch des Ersten Weltfriedens versuchen.

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