Zum Jahrestag des Abwurfs der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki

6. August 2009
Seit 64 Jahren gedenken wir am 6. August der Opfer der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki. Und wir erneuern dabei in jedem Jahr unseren Appell nach einer Welt ohne Atomwaffen. Denn wenn Hiroshima, wenn Nagasaki in Vergessenheit gerät, dann besteht die Gefahr, dass sich wiederholt, was damals in den beiden japanischen Städten geschah: Exakt heute […]

Seit 64 Jahren gedenken wir am 6. August der Opfer der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki. Und wir erneuern dabei in jedem Jahr unseren Appell nach einer Welt ohne Atomwaffen. Denn wenn Hiroshima, wenn Nagasaki in Vergessenheit gerät, dann besteht die Gefahr, dass sich wiederholt, was damals in den beiden japanischen Städten geschah:

Exakt heute vor 64 Jahren flogen elf amerikanische Soldaten in ihren B-29 Bomber in Richtung Hiroshima. An Bord: eine drei Meter lange Atombombe mit den zynischen Namen Little Boy. Um 8.15 Ortszeit wurde diese Bombe über Hiroshima abgeworfen. Was dann folgte ist für uns kaum vorstellbar. Eine Temperatur von 3.000 – 4.000 Grad Celsius im Zentrum der Explosion, die alles verdampfen ließ; eine ungeheure Druckwelle, in der Menschen einfach zerplatzten; Feuerstürme mit Windgeschwindigkeiten von 250 Kilometern pro Stunde, die durch die Stadt fegten; Bodentemperaturen von über 1.000 Grad, die Glas und Eisen schmolzen. Sogar der Asphalt brannte. Sollte jemals unsere Welt untergehen, so muss es aussehen.

Wissenschaftler schätzen konservativ, dass am Ende dieses ersten Tages mindestens 45.000 Menschen, die meisten Zivilisten, in Hiroshima starben. Drei Tage später beim Atombombenabwurf auf die Hafenstadt Nagasaki, am Ostchinesischen Meer, starben 22.000 Menschen. Binnen vier Monaten waren insgesamt 200.000 Tote zu beklagen. Hunderttausende wurden schwerst körperlich und seelisch verletzt. Und das Leiden geht weiter. Bis heute erkranken die Überlebenden der Atombombenabwürfe und deren Nachfahren an Krebs und versterben an den Folgen des Atombombenabwurfs.

An sie, die Überlebenden und an Ihre Nachfahren, die auf ihre Mütter und Väter, auf ihre Großmütter und Großväter, auf ihre Schwestern und Brüder verzichten müssen, werden wir uns immer wieder erinnern und ihnen gedenken.

Die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki sind ein unentschuldbares Verbrechen. Nichts, aber auch gar nichts, rechtfertigt diesen Massenmord. Auch nicht das Argument, damit wäre der Zweite Weltkrieg beendet worden. Ein sehr zweifelhaftes Argument übrigens, schließlich stand die japanische Regierung im August 1945 kurz vor der Kapitulation.

Heute wissen wir aus zahlreichen Quellen, dass die Abwürfe der wissenschaftlichen Erforschung der zerstörerischen Wirkung der Atombombe dienten. So grausam es ist: Die Abwürfe waren ein barbarischer Menschenversuch. Und die Folgen dieses Menschenversuches waren so entsetzlich, dass die Menschen dieser Welt gemeinsam sagten: Nie wieder!

Doch obwohl 60 Millionen Menschen den Appell von Hiroshima und Nagasaki zur Ächtung und zur Abschaffung von Atomwaffen unterzeichneten, wurden seitdem weltweit Atomwaffen in großer Zahl produziert.

Noch immer bedrohen rund 30.000 Atomwaffen, die zur mehrfachen Zerstörung der Erde ausreichen, Menschen in allen Regionen der Welt. Noch immer werden auch in Deutschland Atomwaffen gelagert und die Gefahr eines Atomkrieges nimmt mit der Weiterentwicklung und Modernisierung atomarer Waffen und der Erhöhung ihrer Einsatzfähigkeit weiter zu.

Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde El-Baradei bringt es auf den Punkt: "Die Gefahr eines Atomkrieges war noch nie so groß wie heute."

Wir aber wollen keine neue Spirale des Wettrüstens, weder global noch in einzelnen Regionen der Welt. Wir wollen keinen atomar bewaffneten Iran, aber auch keine Massenvernichtungswaffen in anderen Staaten. Deshalb müssen endlich die noch in Deutschland lagernden Atomwaffen abgebaut werden, es muss neue Anstrengungen geben, um die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen zu verhindern und atomare Abrüstung zu verwirklichen!

Hier in Deutschland lagern noch mindestens 20 Atomwaffen im Bundeswehrfliegerhorst Büchel in der Eifel. Und was viele nicht wissen: Im Ernstfall kann die USA den Abwurf dieser Atombomben auf deutsche Soldaten übertragen. Das heißt, ein deutscher Tornado mit deutschen Soldaten würde die Bombe ins Ziel bringen. Und genau das wird auch von deutschen Luftwaffensoldaten in Büchel geübt. Diese so genannte nukleare Teilhabe muss sofort beendet werden und die deutsche Regierung muss Verhandlungen über den Rückzug der US-Bomben aufnehmen. Alles andere ist doppelzüngig und unmoralisch.

Deutschland muss atomwaffenfrei werden. Für diese Forderung wird DIE LINKE Schleswig-Holstein sich immer wieder stark machen. Denn wir dürfen nicht zulassen, dass die Bedrohung durch Atombomben erst dann wieder Thema wird, wenn Hunderttausende nach einem erneuten Abwurf gestorben sind.

Der Appell von Hiroshima und Nagasaki, der größten Petition der Erde, unterzeichnet von 60 Millionen Menschen, ist aktuell:

"Die Zeit ist gekommen, zum vollständigen Verbot und zur vollständigen Abschaffung von Atomwaffen aufzurufen. Wir müssen unbedingt zusammen arbeiten, um die vollständige Ächtung von Einsatz, Erprobung, Erforschung, Entwicklung, Herstellung, Stationierung und Lagerung von Atomwaffen zu erreichen"