Die Kieler Woche zwischen Krieg und Frieden

23. Juni 2014

Was am 23. Juni 1882 mit 20 Yachten und einer Ragatta anfing, hat sich heute zu einem Volksfest im Norden entwickelt. Neben den Segelwettkämpfen auf der Kieler Förde, bei denen internationale Spitzenteams antreten, gibt es an Land Buden, Bier und Bratwurst satt. Die Besucher kommen aus allen Ecken der Welt und feiern fröhlich auf der Kiellinie und in der Innenstadt. Schiffe aus vielen verschiedenen Ländern machen am Kai fest. International und friedlich soll die Kieler Woche sein. Jeder ist hier willkommen.

Das sieht jedoch nicht jeder so, denn die russische Fregatte "Boiky" bekam keine Einlaufgenehmigung für Kiel vom Auswärtigen Amt. Begründet wird dies durch die ausgesetzte militärische Zusammenarbeit von EU und NATO mit Russland.  Nach mehr als 20 Jahren gibt es nun keinen Vertreter der Baltischen Flotte zur Kieler Woche. Das Land Schleswig-Holstein nimmt das mit Bedauern zur Kenntnis.

Damit kommt die Ukraine-Krise auch nach Kiel. Dies ist kein gutes Zeichen für einen friedvollen und respektvollen Umgang miteinander. Sicherlich spielt auch die große Präsens der US-Marine eine entscheidende Rolle dabei. Das Führungsschiff „Mount Whitney“ und der Lenkwaffenzerstörer „Oscar Austin“ liefen bereits am Freitagmorgen in Kiel ein. Insgesamt werden 31 Schiffe aus 13 Nationen mit 2000 Marinesoldaten in der Stadt erwartet genauso wie ein NATO-Verband. Viel Aufmerksamkeit also von der NATO und den Amerikanern. Soll das zeigen, auf welcher Seite Deutschland steht? Es zeigt allerdings wieder einmal, es geht immer nur um Politik und Macht. Dabei vergessen anscheinend viele Akteure, dass das nicht Sinn dieser Veranstaltung ist. Es geht nicht darum militärische Stärke zu demonstrieren und damit indirekt auch den Krieg zu propagieren, sondern es geht um friedliche Segelwettkämpfe und Spaß mit internationalen Gästen. Es geht um das Miteinander. Das scheint man auf höchster Ebene vergessen zu haben.

Natürlich steht auch Kiel nicht außerhalb des weltlichen Geschehens, aber gerade so etwas wirft kein gutes Licht auf die Beziehungen zu Russland. Vielleicht hätte man das doch trennen sollen und dies als Gelegenheit zum Reden nutzen können, anstatt mit Ausschluss zu reagieren. Viele Kieler empfanden diesen Beschluss ebenfalls als schlechtes Zeichen und Ungastlichkeit.