Nortorf: Kein Ehrenbürger Adolf Hitler mehr!

3. Mai 2013
Im Nortorfer Radhaus wurde nach 68 über die Ehrenbürgerschaft von Adolf Hitler entschieden

Am 23.04.2013 stand ein wichtiges Thema auf der Tagesordnung der Stadtverordnetenversammlung Nortorf — die Aberkennung der Ehrenbürgerschaft von Adolf Hitler und Hinrich Lohse, der als Reichskommissar Ostland einer der Hauptverantwortlichen für die Ermordung von Juden und anderen »unliebsamen« Menschen im Baltikum war. Nach einer jahrelangen Diskussion darüber, ob überhaupt die Notwendigkeit einer solchen Aberkennung bestünde oder ob die Ehrenbürgerschaft nicht nach dem Tode der betreffenden Person von selbst erlischt, kam man nun endlich zu einem Ergebnis. 

Die Stadtverordneten beschlossen am Dienstagabend einstimmig, den beiden Personen die Ehrenbürgerschaft abzuerkennen. Dies war das längst überfällige symbolische Zeichen dafür, dass die Stadt Nortorf einen Ehrenbürger Adolf Hitler oder Hinrich Lohse tatsächlich nicht mehr haben will.

Wie wir mit unserer Vergangenheit umgehen, sagt viel über uns aus. Deutschland hat vor 80 Jahren das dunkelste Kapitel des 20. Jahrhunderts aufgeschlagen, als die Nationalsozialisten die Macht übernahmen. Was dann geschah, sollte jeder im Geschichtsunterricht gelernt haben.
Wie überall in Deutschland wurde auch in vielen norddeutschen Städten 1933 der neue Reichskanzler Adolf Hitler zum Ehrenbürger erklärt. Nach dem Krieg erkannten die meisten Städte diese Ehrenbürgerschaft wieder ab, auch wenn sie nach dem Tod der Person erlischt. Es ist ein symbolischer Akt, um sich öffentlich von der NS-Zeit zu distanzieren.

In Nortorf hat man sich erstaunlich schwer damit getan. Immer wieder hatten die Verantwortlichen wie der Bürgermeister beteuert, dass man die rechtliche Grundlage prüfen lassen würde. Es wurde lange nur darüber diskutiert, ohne dass ein Ergebnis dabei herauskam. Man ging einfach davon aus, dass sich das Ganze mit dem Tod der betreffenden Personen erledigt hätte. So schaffte es die Stadt lange nicht, einen öffentlichen Schlussstrich zu ziehen. Dies wäre auch schon viel früher durch die Aberkennung der Ehrenbürgerschaft postum möglich gewesen. Aber das geschah nicht. Es brauchte nun doch 68 Jahre, um sich davon endgültig zu trennen. Da fragt sich mancher, was in den Köpfen der Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker im Rathaus von Nortorf eigentlich vorgeht, dass sie für diese einfache Abstimmung so lange gebraucht haben. Noch kurz vor der Sitzung waren die Stadtverordneten der CDU zu keiner Stellungnahme bereit und die FDP dachte tatsächlich über eine Enthaltung nach.

Historische Verantwortung

Bevor die Stadt nun wirklich den 80. Jahrestag der Verleihung der Ehrenbürgerschaft von Adolf Hitler feiern konnte, so wie Erich Mory vom »Bürgerforum Nortorf« Ende Februar in einer Sitzung provokant vorschlug, entschieden sich alle vertretenen Parteien dazu, dem Spuk ein Ende zu bereiten. Was lange währt, wird also doch noch gut.

DIE LINKE ist leider nicht in der Stadtverordnetenversammlung der Stadt Nortorf vertreten, aber wir mischen uns trotzdem weiterhin ein. Auch in anderen Kreisen und Städten sorgt DIE LINKE dafür, dass man sich der Vergangenheit stellt.

Dabei geht es nicht darum, nun jeden Stein umzudrehen und jeden potenziellen »Verdächtigen« aufs Korn zu nehmen. Aber gerade wenn es um hochrangige Persönlichkeiten der NS-Zeit geht, die nicht nur Mitläufer waren, sondern tatsächliche Täter, dann ist es wichtig sich, mit diesen Personen zu beschäftigen. Nicht jedes Portrait in einer Galerie im Rathaus oder Kreishaus muss in den Giftschrank, aber es sollte eine Erklärung zur Person geben, wenn diese in der fraglichen Zeit tätig war. So viel Mühe sollten sich die Volksvertreter schon machen.

Späte Entscheidung

In Nortorf wurde zudem nicht nur irgendwer geehrt sondern der Nazi schlechthin — Adolf Hitler.

Erst nachdem das »Bürgerforum Nortorf« dieses Thema wieder aufbrachte und es von außen Druck gab, kamen die Vertreter der Stadt zu einem Ergebnis. Sie mussten also erst dazu getrieben werden, sich mit diesen beiden Ehrenbürgerschaften auseinander zu setzen.
Dabei ließen sich alle in der Stadtverordnetenversammlung vertretenen Parteien sehr viel Zeit mit ihrer Entscheidung. Während CDU und FDP darauf spekulierten, dass sich das Ganze in Wohlgefallen auflösen würde, weil sie der Meinung sind, dass Ehrenbürgerschaften mit dem Tod enden, blieben auch SPD und Grüne erstaunlich untätig. Erst als auch ihnen keine andere Wahl mehr gelassen wurde, weil der öffentliche Druck zu groß wurde, handelten sie.

Damit sich Geschichte nicht wiederholt und die Menschen aus ihr lernen gilt für DIE LINKE auch weiterhin: Nazis raus! (AH)